Nachtschatten - auch spannend im Oktober!

Die Art des Monats Oktober, Vincetoxicum hirundinaria, werden viele Beobachter wahrscheinlich nicht finden, da sie in Hessen relativ selten zu sein scheint. Es gibt aber trotzdem Interessantes zu entdecken.
Jetzt ist die beste Zeit, um sich mit der Gattung Solanum, Nachtschatten, zu beschäftigen. Viele Arten sehen nämlich auf den ersten Blick recht ähnlich aus und sind erst jetzt anhand ihrer reifen Früchte richtig gut zu unterscheiden.
Wer mit Handy oder Kamera auf Nachtschatten-Jagd gehen will, sollte sich vorher am besten die Merkmale ansehen. Denn Übersichtsfotos helfen hier meist wenig. Wichtig sind Nahaufnahmen der Früchte und Kelche, auch Blattform und Behaarung der Stängel sollten möglichst gut zu erkennen sein. Wenn noch Blüten vorhanden sind, ist es natürlich gut, die ebenfalls abzulichten.
Hier kann man sich die Pflanzen und ihre Merkmale im Vorfeld ansehen: http://www.blumeninschwaben.de/Zweikeimblaettrige/Nachtschattengewaechse/nacht_ganz.htm

Einen Sonderfall stellt Solanum nigrum s.l. dar. In Deutschland unterscheiden Bestimmungsbücher wie der Rothmaler die Arten Solanum nigrum und Solanum decipiens (so auch im Schlüssel von Blumen in Schwaben). iNaturalist folgt einer anderen Taxonomie, hier ist Solanum nigrum = Solanum nigrum nigrum und Solanum decipiens = Solanum nigrum schultesii. Die Angabe der Unterart ist hier also keine Spielerei sondern macht es möglich die Beobachtungen später den in Deutschland anerkannten Arten zuzuordnen.
In genetischen Arbeiten wurde allerdings kein Unterschied zwischen den Arten festgestellt. Manche Autoren gehen davon aus, dass es nur eine Art mit unterschiedlichen Ökotypen sei, also Solanum decipiens eine Anpassung an sonnigere Standorte. Tatsächlich finden sich manchmal Exemplare, die sich nicht ganz eindeutig zuordnen lassen und in ihren Merkmalen zwischen den beiden Sippen stehen. Andererseits wachsen aber auch gut unterscheidbare Exemplare von nigrum und decipiens manchmal direkt nebeneinander. Hier ist also sicher das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Mit guten Fotos, auf denen die Merkmale gut zu erkennen sind, können wir Daten sammeln, die in Zukunft dazu beitragen können zu klären, wie es sich denn nun mit Solanum nigrum s.l. in Hessen verhält.

Aber auch andere Arten der Gattung sind durchaus interessant. Es gibt einige Neophyten innerhalb der Gattung, die bislang nur wenige Male aus Hessen, vor allem an den Ufern der großen Flüsse, manchmal aber auch auf Brachflächen oder Erdaufschüttungen, nachgewiesen wurden. Da ist noch einiges zu entdecken. Und selbst die altbekannte Tomate gehört in diese Gattung und zeigt sich in den letzten Jahren immer häufiger außerhalb der Gärten.

Euer Zebra

Posted by zebra1193 zebra1193, September 29, 2020 11:26

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